Spiegel-Titel vom 10.Aug.2008 II

Der Artikel hält, was die Punch-Line verspricht.

Laut der Darstellung des Spiegels ist das Internet ein gesetzloser, rechtloser, ordnungsloser Raum, bevölkert von einer Heerschar Pädophiler, Betrüger, Abzocker, organisierter Verbrecher, Terroristen, Mobber, Urheberrechtsverletzer, Pornosüchtiger.

Ein Ort der “moralischen Verwahrlosung” (stand wörtlich drin). Zu vergleichen mit der Situation in Großstädten der 20er Jahre. Eine Parallel-Welt, die nur darauf wartet, dass ein naiver, ahnungsloser analoger Provinzler diesen globalen, rechtslosen Moloch betritt, um ihn an der nächsten Ecke, ich meine Seite, auszurauben, abzuziehen, fertig zu machen und dann in einem Video-Portal seine Schande zur Schau zu stellen, um sich bis in alle Ewigkeit an ihr zu ergötzen.

Ich frage mich, ob diese Journalisten je im WWW waren, ob einer von ihnen mal bei ebay etwas zum Verkauf eingestellt hat. Warum schreiben alle Privatleute, die etwas auf ebay anbieten, “dies ist eine private Auktion, keine Gewährleistung usw.”? Muss wohl mit der Rechtsfreiheit zu tun haben.
Es gibt Anwälte, die stehen im Verdacht von Abmahnungen zu leben - Abmahnungen von Handlungen im Internet. Rechtsanwälte, die Geld an Handlungen in einem rechtsfreien Raum verdienen. - Wow.

Ich habe da wohl etwas falsch verstanden.

Wie soll jetzt dieser unhaltbare, unordentliche, undenkbare Zustand geändert werden? Es muss eine Ordnungsmacht her. Wer? - Der Staat - geht aber nicht, “muss aber gehen.”

Auch im Internet muss Ruhe und Ordnung herrschen.
Chinas Great Firewall wird wohl der Exportschlager des Jahrhunderts werden.

Die Gretchenfrage

Auf dem Wühltisch eines Lebensmittelgeschäfts fand ich heute Morgen Religion im Angebot.

Die Kinderbibel für 4,95 €, das Kinder Gebetsbuch für 4,95 € (auch inklusive Kruzifix-Anhänger). Die Familien - Bibel für etwas über 6 €.

Einige der Kinder-Gebete habe ich mir durchgelesen. Es ging immer nur um stumpfes Bekenntnis, nach dem Motto, ich glaube an Gott und ich folge ihm. -

Solche Gebete sind doch billig. - Wie das Geblöcke der Schafe in “Farm der Tiere” - “Vier Beine gut - zwei Beine schlecht.”

Muss man den Kindern, weil Sie noch naiv sind, einen naiven Glauben vermitteln ?
Muss man Kindern überhaupt einen Glauben vermitteln ?

Marktgesetze – hautnah

Wenn eine Ware einem Käufer zu teuer ist, dann beginnt dieser zu Handeln. Ich kaufe, aber nur zu meinem Preis. Wenn dem Anbieter das zu wenig ist, dann sagt der, bei mir nicht, sieh zu, wo du deinen Kram her bekommst.

Wenn nun aber die Ware im Überfluss vorhanden ist, dann kann der Käufer den Preis drücken und der Anbieter muss sich mit weniger zufrieden geben.

Einfache Marktgesetze – dumm nur, wenn es sich bei der Ware oder Ressource um die Arbeitskraft handelt, man selbst der Anbieter ist und der Käufer – genau.

Dann bekommt man halt für die gleiche Arbeit weniger Geld. Also ab dem 1.November den Gürtel enger Schnallen, der neue BAT ist da.

Was die Welt vereint.

Die UN hat derzeit 192 Mitgliedstaaten.
Dem internationale olympische Komitee arbeiten 203 nationale olympische Komitees zu.
207 nationale Verbände sind Mitglied der FIFA.

Beim ersten Hinsehen überrascht,
beim zweiten relativiert sich das wieder
– z.B. was politisch das United Kingdom ist,
besteht sportlich aus 8 Einzelverbänden.

Aber immerhin gibt es drei Verbände in der FIFA, die in der UN (noch) nicht existieren: Chinese Taipei, Cook Islands und Palästina. Dafür sind Serbien und Montenegro in der FIFA noch nicht getrennt.

Exklusivmitgied der UN ist Kiribati, Marshall Islands, Federated States of Micronesia, Monaco, Nauru, Palau und Tuvalu.

Ja, was die Welt so zusammenführt.

Die Sache mit der Natur

Natur ist kein Garten Eden.
Da geht es nicht human zu.
Da wird keine Rücksicht genommen auf das individuelle Lebensrecht des einzelnen Wesens.
Da ist ein Mensch in letzter Konsequenz auch nur ein Stück Fleisch.
Dort wird das Ich ultimativ gekränkt, wenn Mensch zum Hindernis, Futterquelle oder Beute wird.

Viele die von Natur schwärmen, vergessen dies. Sicher, Natur ist schön, Natur ist großartig, aber dabei darf man Rilke nicht vergessen:

Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir gerade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören.

Im Paralleluniversum

Irgendwie habe ich heute das Universum gewechselt.

Auf meinem Weg durch die Stadt und Raum und Zeit (Familienausflug) bin ich an ca. 6 Telefonzellen vorbei gekommen. Davon hatten 5 Stück keine Fenster mehr.

In diesem Universum, in das es mich verschlagen hat, gibt es wohl eine Sekte von Fensteressern, die Nachts ihre hilfelose Beute stellen, in dunkle Verliese verschleppen und dort mariniert in Rosmarien, Thymian und Zitronensaft (das macht die Scheibe zarter) in magischen Ritualen verspeisen.

Ein kleiner Gesundheitsfaktoid

Bei der Suche nach Daten zu Ausgaben und Kosten im deutschen Gesundheitssystem bin ich in der Datenbank der WHO (WHOSIS – WHO Statistical Information System) über ein bedenkenswertes Faktoid gestolpert. Die „Adult mortality rate“ unterschieden nach Männern und Frauen.

2004 starben von 1000 Männern im Alter zwischen 15 und 65 – 112, Frauen – 58. (Alles bezogen auf Deutschland).

Und dabei dachte ich immer Frauen sind das Opfer der Umstände.

Zeichen des dritten Zusatzprotokolls

Am 8.12.2005 wurde ein Zusatzprotokoll zum Genfer Abkommen von 1949 verabschiedet. Neben dem „Roten Kreuz“, dem „Roten Halbmond“ und dem „roten Löwen mit roter Sonne“ ist nun auch das „Zeichen des dritten Zusatzprotokolls“ ein international anerkanntes Zeichen des Völkerrechts und den oben genannten gleich gestellt.

Bei diesem „roten Kristall“ handelt es sich um einen auf der Spitze stehenden roten quadratischen Rahmen auf weißem Hintergrund.

Da es jetzt ein Symbol gibt, dass frei von religiösen, weltanschaulichen Bezügen ist, sollten sich alle Organisationen überlegen, auf die roten Kreuze, Halbmonde, Löwen, David-Sterne, Flammen, Sonnen etc. zu verzichten. Im Sinne der humanitären Hilfe ohne Ansehen der Herkunft, des Glaubens oder der Weltanschauung.

Alltagskultur ?

Die letzten paar Bahnfahrten bin ich dazu übergegangen, die Menschen anzusehen.
Wirklich alle in öffentlichen Verkehrsmitteln sehen unglücklich aus. Die Mundwinkel hängen, jeder versucht den anderen nicht wahrzunehmen.
Einzige Ausnahme sind die Kinder unter 12. Die sind einfach manchmal auch in der Bahn glücklich - bis sie anfangen müssen cool zu sein - dann werden sie unglücklich.

Ich habe versucht nicht so auszusehen - dabei ist mir aufgefallen, dass es sehr schwer ist in Strassenbahnen glücklich zu sein.

Intelligenz oder sowas Ähnliches

Die Lang-Form

Ich rief meinen Arbeitsbüttel.
Wie immer brauchte er einige Sekunden, um sich aus seiner Erstarrung zu lösen, doch schon krähte er mir sein „Was soll ich tun ?“ entgegen.
Zerstreut, der Realität schon zwei Arbeitsschritte voraus, drückte ich ihm einen kleinen Kassenbon auf und meinte, „Kopieren.“
Aus seiner diensteifrigen Erstarrung – er kann halt nur tun oder denken – wurde eine erschreckte - „Das ist kein Zettel nach Din-Norm. Ich… – Wie kann man einen nicht normgerechten Zettel… was soll ich nun tun? Ich…“ Unschlüssig, gefangen stand er da – eine Sekunde, zwei Sekunden – langsam löste sich der Krampf und wieder ein freundlich fröhliches „Was soll ich tun ?“
„Kopieren.“
„Aber“- (eine Sekunde) „ich“ (zweite Sekunde) - „mh – O.K.“
Nur ein paar Augenblicke später hatte ich die Kopie.
Mein Arbeitsbüttel lächelte - „Was soll ich nun tun?“ und ich dachte,
jedesmal das selbe Theater, sagte aber nichts.

Die Kurz-Form

Ich öffnete die Klappe am Kopierer. Begleitet von dem Geblinke und Geräuschen, die das Beenden des Stand-By-Modus anzeigen, legte ich einen Kassenbon ein und schloss die Klappe.
Das Display meldete ‘Bereit’ und ich drückte ‘Start’.
Dann ging’s wieder los –
‘Automatische Papierformat Erkennung…’
‘Papierformat unbekannt’
– eine Sekunde, zwei Sekunden –
‘Bereit’ – ‘Start’ und endlich die Kopie.
Ich dachte, beschützt uns vor halb-intelligenten Maschinen und warum läßt sich diese Papierformat-Erkennung nicht abschalten ?

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