Geh auf den Markt!

Trödelmärkte, wo die Dinge nur den Wert haben, den wir ihnen zu messen.
Ein Ort der tiefsinnigen Dialoge – wie: „Und was kostet Jesus ?“ „Jesus?“

Auch ein Ort in dem die Insignien der Religionen friedlich in einer Wühlkiste liegen -
Shiva auf INRI , über dem Stuhl ein Gebetsteppich.

Organgen – lecker,lecker, lecker.

Raubritter

Grade eben meinen alten Scanner (Umax 2000 U) wieder in Betrieb genommen – zumindest wollte ich das, aber dazu braucht man einen Treiber. Den holt man sich beim Hersteller – so dachte ich – ist ja kein Problem, man hat ja das Netz.

Treiber – Download ist da kostenpflichtig – 2,99 Euro.

Manchmal ist der Kapitalismus echt nervend.

„Unterschichts“ - Diskussion

Nach einigen Tagen der medialer Berieselung, stellt sich doch die Frage, was in dieser Studie der Friedrich-Ebert- Stiftung (pdf 460 kb) so steht. - Überraschung, ich zitiere:

Erste Teilergebnisse aus den über 450 Tabellen wurden in der Öffentlichkeit mit aktuellen Diskussionen über Armut, neue gesellschaftliche Schichtungen etc. verbunden, obwohl weder in der Studie noch in den ersten Analysen beispielsweise der Begriff „Unterschicht“ benutzt oder gedacht wird.

Vielmehr zielte die Befragung darauf, herauszufinden, welche Wertepräferenzen in der Bevölkerung vorliegen und welche Zuordnungen zu „politischen Typen“ diese Präferenzen erlauben.


Also nochmal es geht nicht um „Schichtung“ sondern um die Werte der Befragten und aus deren Vorlieben wurden dann neun politischen Typen gebildet:

Leistungsindividualisten, etablierte Leistungsträger, kritische Bildungselite, engagiertes Bürgertum, zufriedene Aufsteiger, bedrohte Arbeitnehmermitte, selbstgenügsame Traditionalisten, autoritätsorientierte Geringqualifizierte und abgehängtes Prekariat.

Diese letzte Gruppe sind die viel zitierten 8 %. Dabei handelt es sich jedoch nicht um „die Unterschicht“, sondern nur um einen Typus, der hauptsächlich in niedrigeren Schichten vorkommt, genauso wie der Typ der „autoritätsorientierten Geringqualifizierten“, die ihr Heil in Ordnung und Nationalbewusstsein suchen.

Also worüber sprechen, streiten, diskutieren, echauffieren sich alle so ?
Ach ja, das war dieser nicht verwendete Begriff - „Unterschicht“.

Ein Schlag ins Gesicht der political correctness und des Nationalstolzes. – Wir haben keine Unterschicht in Deutschland. Wir sind eine moderne, gerechte, ordenliche, saubere Gesellschaft. Wenn überhaupt gibt es hier nur die „neue Unterschicht“- das sind die, denen man die Armut nicht ansieht.

Außerdem setzt der Begriff „Schicht“ unangenehme Assoziationen frei – wie – Klasse – Klassenkampf – soziale Ungerechtigkeit – Aufstand - Revolte – Revolution – das Ende von Ruhe und Ordnung – ARGGGGGG.

Also weg mit diesem Unwort, keine Vokabel, keine Diskussion, keinen Aufstand – frei nach Orwell.

Überhaupt, wie wäre es mit einem neuen Modell für das Phänomen der sozialen Ungleichheit. Anstatt eines Berges – Oben, Mitte, Unten – nehmen wir doch eine Pfütze. Da gibt es dann drinnen und draußen und nicht am Rande der Gesellschaft sondern am Strande der Gesellschaft. Das klingt dann sogar positiv, wie Urlaub machen.

Patriotismus?

Heuer, wo bald wieder 20 Männer versuchen einen Ball zu treten und zwei ihn zu fangen, haben die Marketingabteilungen ganz auf die nationalen Gefühle gesetzt.
Alles kann in den Landesfarben erstanden werden.

Aber, Badelatschen – sorry - das heißt Flipflops - in schwarz-rot-gold ?
Und wenn jemand die trägt – zeigt Sie oder Er dann Patriotismus oder Anti-Patriotismus ?

Ich meine so als Fan von was weiß ich die eigene Fahne schwenken und in die „deutschen“ Flipflops treten.

Gründonnerstag 18:00 Uhr im Supermarkt

Einkaufen vor den Feiertagen – konzentrierte Anspannung liegt in der Luft.
Jede weiß, was sie kaufen muss – nicht kann oder möchte. Es muss dieses und jenes sein, sonst geht das Festtagsessen nicht und frau hat sich blamiert vor den Freunden, der Familie, der Tradition, dem wie man so etwas macht.

Nur ein Schrittchen weiter – Richtung Ladenschluss – Richtung Ausverkauft – und die Spannung reißt und trifft die Umwelt als Aggression.

Ich will niemals in meinem Leben in Hamsterkäufe vor existenzbedrohenden Situationen kommen.

Zahlenspiele

Diverse Zahlen zur Arbeitszeit, Arbeitsmarkt, Stundenlohn, Lohnentwicklung usw. spuckten mir aus den Nachrichten entgegen. Also dachte ich, klick dich in die Welt und such Zahlen und interpretiere dir was zusammen.

Beim Statistischen Bundesamt sprang mir dann eine Pressemitteilung von Heute ins Gesicht.

Die Deutsche Ausfuhr hat im Feb. 2006 um 17,7, % zum Vorjahr zugelegt - die Wirtschaft dieses Landes war in der Lage für 70,3 Milliarden Euro zu exportieren und für Importe im Wert von 57,2 Milliarden Euro zu zahlen - und dabei hat keiner Geld.

Held des Kapitalismus

Der viertreichste Mann der Welt wird heute 80 Jahre, so klärte mich mein Radio auf.

Die Lebensgeschichte ist beeindruckend.
Mit 17 eigenes Geschäft gegründet, mit Hilfe von 300 geborgten Kronen (ca. 32 Euro) -
Heute 231 Filialen in 33 Ländern und einem Umsatz von 14,8 Mrd. Euro (2005),
19 % davon in Deutschland.

Bis heute ein Geizhals und stolz darauf und da mit einem schlechten Gedächtnis für Waren-Nummern geschlagen, wurde der Ware Namen gegeben. (So behauptet mein Radio-Sender.)

Danke für Billy und Ivar, Journalist und Hutten und insbesondere für Claerence.

Religiöse Beeinflussung im Kinderzimmer

Seit 2003 gibt es von Paymobil die Arche Noah. Seit dem war sie mindestens schon einmal ausverkauft – Verkaufszahlen im 6 stelligen Bereich. Wen es interessiert wie christliche Kreise dazu stehen, lese - Magazin für Theologie und Ästhetik – http://www.theomag.de/36/ds1.htm.

Als ich heute durch Zufall über dieses Ding gestolpert bin, war ich zuerst irritiert und dann erschrocken. So „christlich“ ist unsere Gesellschaft also noch und so bereit ihre Kinder mit „propagandistischem“ Spielzeug zu versorgen. So religiös, dass dieses Ding das goldene Schaukelpferd 2004 von der Spielzeug Industrie und Familie & Co (Axel Springer Verlag) bekommt. Es wird sogar als pädagogisch wertvoll bezeichnet – bei Amazon.

Was kommt demnächst – die Schöpfungsgeschichte als Simulation auf der Playstation – nein, das wäre blasphemisch.

Art gerechte Handy Haltung

Das Handy, eine Chimäre der Neuzeit, eine Kreuzung zwischen Telefon, Funkgerät, Kamera, Walkman und Bilderrahmen, ist ein äußerst empfindliches Wesen. Es muss nicht nur beständig mit Karten und Klingeltönen gefüttert werden, sondern auch diverse Accessoires sind nötig, um diesem kleinen Mitbewohner das Leben so behaglich wie möglich zu machen.
Ruhte sich bisher das kleine Tierchen im Liegestuhl oder im Sessel aus, so haben findige Forscher der Handylogie (oder Marketing) herausgefunden, dass das Überleben nur möglich ist, wenn sich das kleine Elektronik-Teil zusätzlich noch in eine Socke hüllt, auch Handy – Back genannt.