„Unterschichts“ - Diskussion
Nach einigen Tagen der medialer Berieselung, stellt sich doch die Frage, was in dieser Studie der Friedrich-Ebert- Stiftung (pdf 460 kb) so steht. - Überraschung, ich zitiere:
Erste Teilergebnisse aus den über 450 Tabellen wurden in der Öffentlichkeit mit aktuellen Diskussionen über Armut, neue gesellschaftliche Schichtungen etc. verbunden, obwohl weder in der Studie noch in den ersten Analysen beispielsweise der Begriff „Unterschicht“ benutzt oder gedacht wird.
Vielmehr zielte die Befragung darauf, herauszufinden, welche Wertepräferenzen in der Bevölkerung vorliegen und welche Zuordnungen zu „politischen Typen“ diese Präferenzen erlauben.
Also nochmal es geht nicht um „Schichtung“ sondern um die Werte der Befragten und aus deren Vorlieben wurden dann neun politischen Typen gebildet:
Leistungsindividualisten, etablierte Leistungsträger, kritische Bildungselite, engagiertes Bürgertum, zufriedene Aufsteiger, bedrohte Arbeitnehmermitte, selbstgenügsame Traditionalisten, autoritätsorientierte Geringqualifizierte und abgehängtes Prekariat.
Diese letzte Gruppe sind die viel zitierten 8 %. Dabei handelt es sich jedoch nicht um „die Unterschicht“, sondern nur um einen Typus, der hauptsächlich in niedrigeren Schichten vorkommt, genauso wie der Typ der „autoritätsorientierten Geringqualifizierten“, die ihr Heil in Ordnung und Nationalbewusstsein suchen.
Also worüber sprechen, streiten, diskutieren, echauffieren sich alle so ?
Ach ja, das war dieser nicht verwendete Begriff - „Unterschicht“.
Ein Schlag ins Gesicht der political correctness und des Nationalstolzes. – Wir haben keine Unterschicht in Deutschland. Wir sind eine moderne, gerechte, ordenliche, saubere Gesellschaft. Wenn überhaupt gibt es hier nur die „neue Unterschicht“- das sind die, denen man die Armut nicht ansieht.
Außerdem setzt der Begriff „Schicht“ unangenehme Assoziationen frei – wie – Klasse – Klassenkampf – soziale Ungerechtigkeit – Aufstand - Revolte – Revolution – das Ende von Ruhe und Ordnung – ARGGGGGG.
Also weg mit diesem Unwort, keine Vokabel, keine Diskussion, keinen Aufstand – frei nach Orwell.
Überhaupt, wie wäre es mit einem neuen Modell für das Phänomen der sozialen Ungleichheit. Anstatt eines Berges – Oben, Mitte, Unten – nehmen wir doch eine Pfütze. Da gibt es dann drinnen und draußen und nicht am Rande der Gesellschaft sondern am Strande der Gesellschaft. Das klingt dann sogar positiv, wie Urlaub machen.